Soheyl Liwani; Mag. MA am 27. September 2014

 

 

 

 

 

 

 

Was ist dieses Ebola überhaupt? Gerne wird es mit Malaria verglichen, auch eine Infektionskrankheit, die man vorwiegend mit dem afrikanischen Kontinent assoziiert. Malaria tötet jährlich mehr Menschen und es existieren mehrere anerkannte Behandlungen dafür, zum Beispiel Chinin, das neben Gin-Tonic gegen allgemeinen Seelenschmerz, auch von Medizinmännern gegen unerwünschte Schwangerschaften eingesetzt wird. Außerdem lassen sich die Präventionsmaßnahmen gegen Malaria auf ein recht billiges Netz reduzieren und die Gates Foundation und andere arbeiten seit Jahren mehr oder weniger effektiv gegen die Krankheit an. Es ist kulturelle Aufklärungsarbeit und die braucht Zeit, bei Malaria wie auch bei Ebola.

Aber Ebola ist nicht Malaria. Malaria wird von der weiblichen, liebevoll auf Neogriechisch als nutzlos bezeichneten, Anopheles Mücke übertragen und wird durch mehrere Plasmodien, also Parasiten, wobei der häufigste den weniger freundlichen Namen P. falciparum (also sichelförmig, nach der Form, welche die roten Blutkörperchen nach einer Infektion annehmen) trägt, dann beim Menschen ausgelöst. Es braucht also eine Mücke als Wirt um den Parasiten von Mensch zu Mensch zu transportieren.

Das Ebola-Virus hingegen kann, einmal im Menschen, auch nach dem Tod von Mensch zu Mensch übertragen werden, durch kleine Risse in der Haut, Kontakt zu allerlei Arten von Köperflüssigkeiten  wie Blut, Schweiß oder auch Sperma. In einem Kulturraum in dem die rituelle Waschung von Toten durch die Familie fest verankert ist, braucht es keinen Epid­­­­emiologen um ein Problem zu erkennen.

Die Erhebung des Status quo

Es gibt eine sehr gute Karte [1] der Harvard University und des Boston Childrens Hospital, welche basierend auf WHO Daten die Pandemie sehr gut zusammenfasst. Beginnend mit den ersten Medienberichten von den ersten 8 Toten am 14. März 2014 über sieben Monate bis zum aktuellen Stand Ende September von ca. 2850 Toten bei gesamt ca. 5030 Fällen.

Es empfiehlt sich diese Karte parallel zur Chronolog­­ie der politischen Diskussion von Reuters [2] zu lesen.

Es ist eine Chronologie des Schreckens und der Untätigkeit. Am 4. April, zwei Wochen nach Beginn der Epidemie, kommt es zu Ausschreitungen in den betroffenen Gebieten, die Menschen glauben nicht, dass die Krankheit existiert und wollen ihre Toten, um sie zu waschen, sie beizusetzen  und sich anzustecken. Der Deutsche Psychiater und Philosoph Karl Jasper bemerkte, in fast jeder Lebenslage sehr treffend: “Die Demokratie setzt die Vernunft im Volke voraus, die sie erst hervorbringen soll.”

Aber setzt das Recht auf Selbstbestimmung Vernunft voraus? Um die Frage präziser zu formulieren: Darf ein Vater oder eine Mutter zulassen, dass ein Kind auf die heiße Herdplatte greift? Darf ein Staat es zulassen, dass sich hunderte Menschen mit einer tödlichen Krankheit infizieren, deren Existenz sie nicht verstehen können? So ungern ich dieses Zitat von Karl Jasper gebrauche um ein autoritäres Eingreifen des Systems zu rechtfertigen, hier wäre es angebracht. Aber mit welchen Folgen?

Das “was wäre wenn wir wirklich helfen” Szenario

Im Nachhinein bleibt einem wenig über, als die Patentlösung des internationalen Zwischenfalls zu fordern: Ein klares Signal, international koordiniert und sanktioniert, gegen was auch immer um eben etwas zu bewirken.

Aber was hätte man in diesem Moment tun können? Den Betroffenen Menschen vor Ort war ihre Lage nicht bewusst. Ein internationales Eingreifen durch UNO-Truppen hätte das medizinische Personal sichern können, und verhindern können, dass bereits Erkrankte aus der Isolation flüchten. Aber wohin hätte diese Entmündigung geführt? Ein Aufbegehren der Bevölkerung, der komplette Vertrauensverlust, die Abwendung von den Helfern. Und so wären die gepanzerten Kolonnen an Helfern aus ihren Festungen ausgezogen um die Erkrankten aufzusammeln, durch Städte, Dörfer und Häuser, um sie schließlich ihrer Behandlung zuzuführen. Sie hätten sie in Krankenhäuser oder Infizierten-Lager unter Schutz von Soldaten in ABC-Kampfanzügen fernab ihrer Familie gebracht, damit diese sie nicht waschen und sich anstecken. Ihre Familie hätte nur die Mauern gesehen und die rauchende Schlöte von Krematorien in denen die Überreste der Opfer entsorgt werden. Bilder die mehr an eine distopische Version von Konzentrationslagern erinnern, als an den humanitären Einsatz der es hätte sein sollen.

Der mediale und ethische Flächenbrand

Am 23. Juni erklärt Ärzte ohne Grenzen die Epidemie für außer Kontrolle. Am 8. August erklärt die WHO paraphrasiert: Schlimm, schlimmer, weitermachen wie gehabt. Es ist Zeit für die zweite Stufe der Patentlösung des internationalen Zwischenfalls zu fordern: Ein schnelles Eingreifen, um mit den geeigneten Mitteln auf diese Krise um gezielt als internationales Staatenbündnis diese Krise zu lösen.

Die Medien fordern, dass die Opfer behandelt werden, mit den Mitteln der westlichen Medizin. Das heißt spezifisch zwei Medikamenten die auf die klingenden Namen ZMapp und TKM-Ebola hören. Beide nicht ausreichend am Menschen getestet, ZMapp überhaupt nicht und TKM-Ebola hat die Phase 1 der klinischen Testung, also dem Test an sonst gesunden Probanden, erst mit Januar 2014 begonnen, diese Phase wurde im Juli 2014 aufgrund von grippeähnlichen Nebenwirkungen ausgesetzt.

Am 12. August zeigt das mediale Bombardement auf die WHO Wirkung und sie kommuniziert klar zum Thema Ebola und ungetesteten Arzneimitteln: “Durch die Umstände dieses Ausbruchs, und wenn bestimmte Konditionen erfüllt sind, dann ist es ethisch vertretbar die Behandlung mit ungetesteten Arzneimitteln, ohne gesicherten Nutzen und mit unbekannten Nebenwirkungen als mögliche Behandlung oder Prävention anzubieten.” [3] Heureka!

Am 11. August meldete der Hersteller von ZMapp, dass seine Vorräte der Arznei aufgebraucht seien. Saperlot! Die Daten sind übrigens kein Witz. Immerhin konnte verhindert werden, dass alte koloniale Gefühle aufkommen und wir als Weltgemeinschaft die Betroffenen als Versuchskaninchen missbrauchen.

Am 11. September erklären Ärzte an der Universität von Nebraska einen Behandlungserfolg. Dass sie mit den Mitteln der westlichen Medizin einen Patienten behandeln konnten, mit massiver Unterstützender Therapie, mit einer Plasmatransfusion von einem überlebenden Patienten, und dem Mittel TKM-Ebola (Handelsname: Tekmira), bestehend aus drei kurzen RNA Strängen, welche an drei der gesamt sieben Gene des Ebola-Virus während der Translation binden und so seine Übersetzung in Protein verhindern, dadurch die Vermehrung des Virus behindern und seinen Abbau einleiten. Der Patient wurde am 22. und 23. September zweimal negativ auf das Ebola Genom getestet. Chapeau!

An den Grenzen des zynischen Reiches

Am 8. September erklärt Präsident Obama, dass die USA mit einem 25 Betten großem Feldlazarett für die ausländischen Kräfte vor Ort helfen wird.

Am 12. September schickt die WHO die Hiobsbotschaft aus: Die Menschen stecken sich schneller an, als sie sterben. Es gibt nicht genügend Betten, man benötigt mehr medizinisches Personal um die Lage zu verwalten. Ärzte ohne Grenzen war am 23. Juni so weit.

Vier Tage später versprechen die USA gesamt 3000 Pioniere und medizinisches Personal nach Westafrika zu schicken um Kliniken zu bauen und dem Personal vor Ort, das inzwischen mehrere Monate Erfahrung damit hat, zu erklären wie sie mit der Lage umgehen müssen, damit die Pandemie zum Stehen kommt. Nach und nach sagt sich auch andere internationale Hilfe an. Frankreich will ein Militärlazarett in das Epizentrum der Pandemie schicken und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beginnt auch über die Thematik zu diskutieren.

Nach dem Feuer ist vor dem Feuer

Im New England Journal of Medicine (NEJM) [4] haben Ärzte vor Ort einen schockierenden Kommentar veröffentlicht, der etwas Licht auf die grundlegenden Probleme wirft.  Sie sprechen von „therapeutischen Nihilismus“, der Angst der Ärzte, dass es keine dezidierte Behandlung gegen Ebola gibt, aber das gleichzeitig die Grundlagen jeder Behandlung, die unterstützende Therapie mit Flüssigkeit oder  die Erhebung einfacher Blutparameter wie Elektrolyte, zu spät und zu spärlich eingesetzt werden, oder nicht verfügbar sind.

Sie sprechen auch von der Angst der Bevölkerung, die kein Vertrauen in ein System hat, das sie nicht verstehen und das scheinbar wenig tun kann um ihnen zu helfen. Die Zahlen zu Behandlungserfolgen zeichnen ein verheerendes Bild und so wird dem Versuch zur Aufklärungsarbeit mit Misstrauen begegnet.  Aber gerade diese Präventionsarbeit ist essenziel um weitere Ansteckungen zu verhindern und Vertrauen in das System zu schaffen, damit die bereits Erkrankten die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Auch das NEJM [5] fasst die Epidemie nocheinmal in Zahlen zusammen und versucht etwas in die Zukunft zu sehen, indem es die die aktuelle Verbreitung des Virus modelliert und seine Dynamik  analysiert. Während die WHO noch von Zehn- bis Sechzehntausend Erkrankten bis Ende des Jahres ausgeht, gehen die Autoren des NEJM von mehr als Zwanzigtausend Erkrankten bis 2. November 2014 aus, bei einer Letalitätsrate von 70,8% (95% Konfidenzintervall, 69 bis 73) (vgl. Letalitätsrate der Beulenpest unbehandelt im Mittelalter lag bei ca. 60%).

Der verhängnisvolle richtige Weg

Währenddessen wurden am 18. September acht Leichen von internationalen Helfern gefunden, die versucht haben in den betroffenen Regionen über die Krankheit aufzuklären. Es bleibt nur zu fragen: Was wäre wenn wir wirklich helfen?

Weitere Informationen: 

[1] http://healthmap.org/ebola/#

[2] http://in.reuters.com/article/2014/09/19/health-ebola-idINKBN0HE04520140919

[3] http://www.webmd.com/news/20140812/who-experts-give-nod-to-using-untested-ebola-drugs

[4] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp1411310?query=featured_ebola

[5] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1411100?query=featured_ebola

 

 

Soheyl Liwani; Mag. MA am 25. September 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten der Generaldirektor des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungen Dr. Probst, dem Generaldirektor Stellvertreter und zusändigen für die E- ECard

DI Schörghofer die neue E-Card vor. Flankiert wurden die Funktionäre des Hauptverbandes vom Geschäftsführer der AustroCard Jochen Hense.

Beginnend mit 13.10 die neue Generation der E-Card produziert und ausgeliefert. Der für die ECard zuständige GeneraldirektorStV. DI Schörghofer präsentierte die Änderungen der neuen E-Card. Stolz zeigten
sich die Funktionäre des Hauptverbandes, dass die ECard trotz anfänglicher Skepsis der Ärztekammer, ein akzeptiertes Instrument ist. Auch eine kleine Umfrage in der Pressekonferenz zeigte, dass die anwesenden
KollegInnen ihre E-Card dabei haben. Die ECard ist somit akzeptiert und jeder/jede hat diese in der Geldtasche.

Kein Foto auf dem neuen Design, die langjährige Forderung der FPÖ und der Ärztekammer wird auch in diesem neuen Design erfüllt. DI Schörghofer begründete die Entscheidung mit dem hohen Aufwand der dadurch
entsteht. Weiters sei man darauf angewiesen, dass die Menschen ihre Fotos senden und niemand kann garantieren dass es auch die Menschen sind die neuen Karten bekommen. Statt dessen soll die Sprechstunden bei
Verdacht von Missbrauch ein anderes Ausweisdokument vorlegen um die Identität zu prüfen. Die Kosten für das Bild auf die E-Card zu geben seien überschau, ergänzte Schörghofer seine Ausführungen zur neuen E-Card.

Eine der vielen Möglichkeiten die E-Card zu einer Bürgerkarte aufgewertet werden und dient somit als virtueller Ausweis. Schörghofer stellte die Möglichkeiten vor wie man die ECard zu einer Bürgerkarte aufwerten kann.
Die erste ist über Finanz Online, die zweite ist die persönliche Aktivierung in einer der vielen Registrierungsstellen, Aktivierung mittels eingeschriebenen Brief und Online-Aktivierung mittels bestehender Bürgerkarte.

(Infos: www.buergerkarte.at)-

Presseunterlagen:

 Medienberichte:

Soheyl Liwani; Mag. MA am 18. September 2014

In einer Pressekonferenz wurde die Studie zur Versorgung der Schmerzpatienten in Österreich. Die Befragten zeigten sich laut der Studie mit der Situation in Österreich unzufrieden.

Seit 2008 hat sich die Situation nicht gebessert, erklärten Experten am Donnerstag in Wien. Teures Doctor-Hopping, zuwenige Spezialisten und Einrichtungen sowie Kassen-Erstattungsdefizite
verursachen Milliardenkosten ohne Vorteile.

Das Gallup-Institut hat von Mai bis Juli dieses Jahres im Auftrag des Selbsthilfegruppen-Dachverbands “Allianz chronischer Schmerz” mit Unterstützung des Pharmakonzerns Astellas eine quer
durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen gestreute Online-Umfrage mit Schwerpunkt auf Schmerzpatienten durchgeführt (derStandard.at)

Der Anästhesist Prof. Hans Georg Kress stellte die Studie vor und berichtete aus der Praxis. Als Ursache für die jetzige Verbesserns würdige Situation nannte der Mediziner Kress im Pressegespräch
mangelnde Strukturen und mangelnde Ausbildung. Hans Georg Kress: “Jeder fünfte Europäer leidet unter chronischen Schmerzen. Das macht 500 Millionen Krankenstandstage und 35 Milliarden
Euro Schaden zulasten der Wirtschaft. In Österreich sind es pro Jahr 406.000 Krankenstandstage mit einem Produktivitätsverlust von 1,12 Milliarden Euro. Hinzu kommen 21.000 Frühpensionierungen
mit 600 Millionen Euro kosten. Das ergibt volkswirtschaftliche Kosten von 1,7 Milliarden Euro.” Rechne man noch die direkten Invaliditätspensionsleistungen von 430 Millionen Euro und die Aufwendungen
für die Behandlung hinzu, komme man auf jährliche Gesamtkosten von 3,8 Milliarden Euro. (Der Standard)

Gallup-Demoskopin Gabriele Reithner: „Mehr als 40 Prozent der Patienten erklärten, in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt zu sein. 45 Prozent haben hohe finanzielle Aufwendungen durch ihre chronischen
Beschwerden.“ An oberster Stelle der Forderungen stünden „mehr Verständnis und Akzeptanz“, man wolle nicht als Simulant oder Psycho-Patient betrachtet werden. 18 Prozent würden mehr finanzielle Förderung
und mehr Krankenkassenleistungen fordern. (Tiroler Tageszeitung)

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