Die Ärztekammer hat Alaram geschlagen, der Ärztemangel ist laut Ärztekammer evident. Hier ist auch die Situation der NotärztInnen ins Gespräch gekommen.
Manche führen diesen Umstand auf den allgemeinen ÄrztInnenmangel hin andere sehen ein Rekrutierungsproblem. gesundheitsblog.org hat bei den Rettungsorganisationen
nachgefragt.  Seitens des Roten Kreuzes hat Markus Glanzer, MBA MPA – Bereichsleiter (acting) Einsatz, Innovation und Beteiligungen Stellung genommen auf meine Fragen hat als erster und bis dato einziger geantwortet.

  • Die Ärztekammer hat nun Alarm geschlagen – es ist der Ärztemangel in Österreich laut Ärztekammer evident und im Speziellen in der Notfallmedizin – Wie schätzen Sie die Situation ein?

Bei der im internationalen Vergleich hohen Arztdichte in Österreich kann das wohl nur ein relativer Mangel im Sinne eines Verteilungsproblems sein. In der Tat haben sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit als Notarzt außerhalb eines regulären Dienstverhältnisses (das sind sicher mehr als die Hälfte der geleisteten Notarztdienste) durch geänderte Ansichten der Gebietskrankenkassen deutlich verschlechtert, wodurch der Notarztdienst an Attraktivität verliert. Sollte es tatsächlich trotz Optimierung der Rahmenbedingungen zu einem absehbaren bzw. manifesten Mangel an Ärzten im Rettungsdienst kommen, bedarf es einer umfassenden Diskussion aller beteiligten Strukturen um die Rahmenbedingungen für den Notfallrettungsdienst in Österreich festzulegen.
Von geänderten Rahmenbedingungen wird deshalb gesprochen, weil die Gebietskrankenkassen der Ansicht sind, dass Notärzte in einem Anstellungsverhältnis arbeiten müssen und nicht mehr auf Werkvertragsbasis selbständig tätig sein dürfen.

  • In den Bundesländern sind die Rettungsorganisationen größtenteils auf ehrenamtliche Mitarbeit der ÄrztInnen angewiesen – was kann von Seiten der politisch verantwortlichengetan werden, dass der Beruf des Notarztes/Notärztin attraktiver gemacht wird?

Notärztinnen und Notärzte im österreichischen Rettungsdienst arbeiten, mit ganz wenigen Ausnahmen, nicht als Freiwillige. Die Sanitäterinnen und Sanitäter im Rettungsdienst sind Großteils freiwillig tätig. Um den Beruf des Notarztes/Notärztin attraktiver zu machen, müssen die Rahmenbedingungen für diese Tätigkeit deutlich verbessert werden.

  • Auch die Wiener Berufsrettung leidet am Mangel an NotärztInnen – Wo sehen Sie die Ursachen für diesen Mangel in Wien?

Hier müssen Sie bitte bei der Wiener Berufsrettung nachfragen!

  • Es gibt nun Ideen innerhalb der Berufe im Sanitätswesen neue Ausbildungen, die einen Teil der Aufgaben der NotärztInnen übernehmen könnten. Also zum Beispiel dass diese Intubationen durchführen können oder Schmerzmittel verabreichen können. Wie ist ihre Meinung zur Aufwertung der Ausbildung der MitarbeiterInnen im Rettungswesen und somit die Entlastung der NotärztInnen?

Seit 2002 gibt es in Österreich das Sanitätergesetz. Dieses regelt die Ausbildung von SanitäterInnen in Österreich. Seit Anbeginn des Gesetzes gibt es auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter mit Notkompetenzen (intravenöser Zugang und Medikamentengabe sowie Intubation). Die Ausbildung ist auf das notarztgestützte Rettungswesen in Österreich angepasst. Über die Jahre wurde das Sanitätergesetz laufend an Neuerungen wie zum Beispiel die Blutzuckermessung durch SanitäterInnen oder die Verwendung des Larynxtubus (Beatmungshilfe) angepasst. Weiterbildung und Praxis werden von jedem Sanitäter (egal mit welchen Kompetenzen) gefordert. Eine regelmäßige Re-Zertifizierung ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Das Österreichische Rote Kreuz befürwortet das integrierte notarztgestützte Rettungssystem in Österreich. Es hat sich über viele Jahrzehnte hinweg bewährt und stellt für Notfallpatientinnen und Notfallpatienten den höchsten und besten Versorgungsgrad dar. In einer repräsentativen Umfrage eines unabhängigen Marktforschungsinstitutes gibt der Großteil der Österreichischen Bevölkerung an, eine Versorgung durch den Notarzt und nicht (ausschließlich) von einem Sanitäter mit Notkompetenzen zu bevorzugen. Notärzte durch schlechter ausgebildete Sanitäter („Paramedics“) zu ersetzen und damit den Notärztemangel noch zu verschärfen, halten wir aus der Sicht der Patienten für keine gute Lösung. Verglichen zum derzeitigen System würde das eine deutliche Qualitätsverschlechterung bedeuten und Leben und Gesundheit von PatientInnen gefährden.

  • Eine Ursache für den ÄrztInnenmangel ist laut Kammer die Abwanderung in benachbarte Staaten. Kennen Sie die Lage der Notfallmedizin in den Nachbarstaaten? Haben diese auch den Mangel? Wenn – Nein, wo sind die Unterschiede?

In den Nachbarstaaten ist der Rettungsdienst unterschiedlich gesetzlich geregelt und organisiert – und somit nicht eins zu eins vergleichbar. Die Systeme unterscheiden sich auch bei Faktoren, wie z.B. Eintreffzeiten, Flächendeckung oder Organisation des Rettungsdienstes, was ebenfalls in einem seriösen Vergleich berücksichtigt werden muss. Das Thema „Ärztemangel“ ist generell auch aus Nachbarländern wie z.B. Deutschland zu vernehmen.

  • Abschließend, was müsste die neue Gesundheitsministerin Ihrer Meinung nach tun um die Nachfrage der MedizinerInnen an der Notfallmedizin zu steigern und somit den Personalmangel zu beheben? Hier meine ich sowohl ehrenamtliche oder hauptamtliche NotärztInnen.

Sollte tatsächlich die Gefahr bestehen, zu wenige Notärzte im Rettungsdienst einsetzen zu können, ist die Politik gefordert, das Notarztsystem entsprechend zu unterstützen und zu fördern. Die während der vergangenen Jahre auf Initiative der Gebietskrankenkassen deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen für die Beschäftigung von Notärzten müssen wieder attraktiver gemacht werden.

Danke für die Stellungnahme!

Publikation : Henri_zum Thema Rettungsdienst - Webseite des Österreichischen Roten Kreuzes : http://www.roteskreuz.at/

Soheyl Liwani; Mag. MA am 1. Oktober 2014

 

Der Weg zur Ärztin/Arzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die letzte Aktion des Bundesministers Stöger war der Entwurf zur Neuerung der Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte. Die Ausbildung zum Mediziner/-in für Allgemeinmedizin und die Ausbildung der Ärztinnen/Ärzte zum Facharzt werden auf neue Beine gestellt. Bevor wir im nächsten Blogbeitrag auf die Neuerungen eingehen, die in den nächsten Monaten in den Nationalrat kommen und dann mit 1.1.2015 in Kraft treten soll, die noch gültige Ausbildung. (Neuerungen – Parlament)

Der Weg zum Beruf des Mediziners/der Medizinerin führt das Studium der Human Medizin oder Zahnmedizin an einer heimischen oder ausländischen Uni (nach Nostrifikation). Betrachten wir uns mal den heimischen Weg – der Kandidat/-in muss zu aller erst den Einstiegstest zum Medizinstudium bestehen. Je nach Matura, Land in dem diese bestanden wird, wird er/sie in eine Zulassungsqoute eingliedert. Jährlich werden von den 3 Universitäten Innsbruck, Graz und Wien 1500 Studierende aufgenommen – wobei Wien den größten Teil der Bewerber/Bewerberinnen aufnimmt. Diese werden dann von der Med Uni zu Ärzten/Ärztinnen ausgebildet, die dann in den Krankenanstalten weiter ausgebildet werden. (Studienplan – Quelle Med Uni Wien) Neben den 3 erwähnten Unis gibt’s eine Hand voll privater Unis – diese auch die Berechtigung haben Ärzte/Ärztinnen aus zu bilden.

Der Status Quo der ärztlichen Ausbildung war, dass der Absolvent/die Absolventin sich in eine Warteliste eintrug und von den Trägern der Krankenanstalten zum so genannten Turnus – Ausbildung zum Allgemeinmediziner/-in eingeteilt wurde. Das Tätigkeitsprofil der so genannten TurnusärztInnen kann man in der Webseite der Ärztekammer lesen. (Turnus alt) Mit dem erfolgreichen Absolvieren der Ausbildung und der positiven Ablegung einer Prüfung ist die Medizinerin/der Mediziner zur selbständigen Ausübung des Berufes der ÄrztIn für Allgemeinmedizin – oder auch landläufig als praktischer Arzt/Ärztin bekannt – berechtigt.

Wer aber nicht den beschriebenen Ausbildungsweg gehen möchte, der/die kann den so genannten kleinen Turnus im Rahmen einer Fachausbildung machen. Theoretisch besteht die Möglichkeit ohne Turnus zu einer Fachstelle zu kommen – aber die wenigsten haben diese Möglichkeit. Die Krankenanstalten ziehen ÄrztInnen vor die den Turnus absolviert haben. Exemplarisch möchte ich die  FA für Kinder- und Jugendheilkunde abbilden.  Nach 6 Jahren Fachausbildung und einer positiv absolvierten Fachprüfung ist man Facharzt/Fachärztin und ist zur eigenständigen Ausübung der ärztlichen Tätigkeit im Bereich des Faches berechtigt.

 

Soheyl Liwani; Mag. MA am 28. September 2014

Was ist dieses Ebola überhaupt? Gerne wird es mit Malaria verglichen, auch eine Infektionskrankheit, die man vorwiegend mit dem afrikanischen Kontinent assoziiert. Malaria tötet jährlich mehr Menschen und es existieren mehrere anerkannte Behandlungen dafür, zum Beispiel Chinin, das neben Gin-Tonic gegen allgemeinen Seelenschmerz, auch von Medizinmännern gegen unerwünschte Schwangerschaften eingesetzt wird. Außerdem lassen sich die Präventionsmaßnahmen gegen Malaria auf ein recht billiges Netz reduzieren und die Gates Foundation und andere arbeiten seit Jahren mehr oder weniger effektiv gegen die Krankheit an. Es ist kulturelle Aufklärungsarbeit und die braucht Zeit, bei Malaria wie auch bei Ebola.

Aber Ebola ist nicht Malaria. Malaria wird von der weiblichen, liebevoll auf Neogriechisch als nutzlos bezeichneten, Anopheles Mücke übertragen und wird durch mehrere Plasmodien, also Parasiten, wobei der häufigste den weniger freundlichen Namen P. falciparum (also sichelförmig, nach der Form, welche die roten Blutkörperchen nach einer Infektion annehmen) trägt, dann beim Menschen ausgelöst. Es braucht also eine Mücke als Wirt um den Parasiten von Mensch zu Mensch zu transportieren.

Das Ebola-Virus hingegen kann, einmal im Menschen, auch nach dem Tod von Mensch zu Mensch übertragen werden, durch kleine Risse in der Haut, Kontakt zu allerlei Arten von Köperflüssigkeiten  wie Blut, Schweiß oder auch Sperma. In einem Kulturraum in dem die rituelle Waschung von Toten durch die Familie fest verankert ist, braucht es keinen Epid­­­­emiologen um ein Problem zu erkennen.

Die Erhebung des Status quo

Es gibt eine sehr gute Karte [1] der Harvard University und des Boston Childrens Hospital, welche basierend auf WHO Daten die Pandemie sehr gut zusammenfasst. Beginnend mit den ersten Medienberichten von den ersten 8 Toten am 14. März 2014 über sieben Monate bis zum aktuellen Stand Ende September von ca. 2850 Toten bei gesamt ca. 5030 Fällen.

Es empfiehlt sich diese Karte parallel zur Chronolog­­ie der politischen Diskussion von Reuters [2] zu lesen.

Es ist eine Chronologie des Schreckens und der Untätigkeit. Am 4. April, zwei Wochen nach Beginn der Epidemie, kommt es zu Ausschreitungen in den betroffenen Gebieten, die Menschen glauben nicht, dass die Krankheit existiert und wollen ihre Toten, um sie zu waschen, sie beizusetzen  und sich anzustecken. Der Deutsche Psychiater und Philosoph Karl Jasper bemerkte, in fast jeder Lebenslage sehr treffend: “Die Demokratie setzt die Vernunft im Volke voraus, die sie erst hervorbringen soll.”

Aber setzt das Recht auf Selbstbestimmung Vernunft voraus? Um die Frage präziser zu formulieren: Darf ein Vater oder eine Mutter zulassen, dass ein Kind auf die heiße Herdplatte greift? Darf ein Staat es zulassen, dass sich hunderte Menschen mit einer tödlichen Krankheit infizieren, deren Existenz sie nicht verstehen können? So ungern ich dieses Zitat von Karl Jasper gebrauche um ein autoritäres Eingreifen des Systems zu rechtfertigen, hier wäre es angebracht. Aber mit welchen Folgen?

Das “was wäre wenn wir wirklich helfen” Szenario

Im Nachhinein bleibt einem wenig über, als die Patentlösung des internationalen Zwischenfalls zu fordern: Ein klares Signal, international koordiniert und sanktioniert, gegen was auch immer um eben etwas zu bewirken.

Aber was hätte man in diesem Moment tun können? Den Betroffenen Menschen vor Ort war ihre Lage nicht bewusst. Ein internationales Eingreifen durch UNO-Truppen hätte das medizinische Personal sichern können, und verhindern können, dass bereits Erkrankte aus der Isolation flüchten. Aber wohin hätte diese Entmündigung geführt? Ein Aufbegehren der Bevölkerung, der komplette Vertrauensverlust, die Abwendung von den Helfern. Und so wären die gepanzerten Kolonnen an Helfern aus ihren Festungen ausgezogen um die Erkrankten aufzusammeln, durch Städte, Dörfer und Häuser, um sie schließlich ihrer Behandlung zuzuführen. Sie hätten sie in Krankenhäuser oder Infizierten-Lager unter Schutz von Soldaten in ABC-Kampfanzügen fernab ihrer Familie gebracht, damit diese sie nicht waschen und sich anstecken. Ihre Familie hätte nur die Mauern gesehen und die rauchende Schlöte von Krematorien in denen die Überreste der Opfer entsorgt werden. Bilder die mehr an eine distopische Version von Konzentrationslagern erinnern, als an den humanitären Einsatz der es hätte sein sollen.

Der mediale und ethische Flächenbrand

Am 23. Juni erklärt Ärzte ohne Grenzen die Epidemie für außer Kontrolle. Am 8. August erklärt die WHO paraphrasiert: Schlimm, schlimmer, weitermachen wie gehabt. Es ist Zeit für die zweite Stufe der Patentlösung des internationalen Zwischenfalls zu fordern: Ein schnelles Eingreifen, um mit den geeigneten Mitteln auf diese Krise um gezielt als internationales Staatenbündnis diese Krise zu lösen.

Die Medien fordern, dass die Opfer behandelt werden, mit den Mitteln der westlichen Medizin. Das heißt spezifisch zwei Medikamenten die auf die klingenden Namen ZMapp und TKM-Ebola hören. Beide nicht ausreichend am Menschen getestet, ZMapp überhaupt nicht und TKM-Ebola hat die Phase 1 der klinischen Testung, also dem Test an sonst gesunden Probanden, erst mit Januar 2014 begonnen, diese Phase wurde im Juli 2014 aufgrund von grippeähnlichen Nebenwirkungen ausgesetzt.

Am 12. August zeigt das mediale Bombardement auf die WHO Wirkung und sie kommuniziert klar zum Thema Ebola und ungetesteten Arzneimitteln: “Durch die Umstände dieses Ausbruchs, und wenn bestimmte Konditionen erfüllt sind, dann ist es ethisch vertretbar die Behandlung mit ungetesteten Arzneimitteln, ohne gesicherten Nutzen und mit unbekannten Nebenwirkungen als mögliche Behandlung oder Prävention anzubieten.” [3] Heureka!

Am 11. August meldete der Hersteller von ZMapp, dass seine Vorräte der Arznei aufgebraucht seien. Saperlot! Die Daten sind übrigens kein Witz. Immerhin konnte verhindert werden, dass alte koloniale Gefühle aufkommen und wir als Weltgemeinschaft die Betroffenen als Versuchskaninchen missbrauchen.

Am 11. September erklären Ärzte an der Universität von Nebraska einen Behandlungserfolg. Dass sie mit den Mitteln der westlichen Medizin einen Patienten behandeln konnten, mit massiver Unterstützender Therapie, mit einer Plasmatransfusion von einem überlebenden Patienten, und dem Mittel TKM-Ebola (Handelsname: Tekmira), bestehend aus drei kurzen RNA Strängen, welche an drei der gesamt sieben Gene des Ebola-Virus während der Translation binden und so seine Übersetzung in Protein verhindern, dadurch die Vermehrung des Virus behindern und seinen Abbau einleiten. Der Patient wurde am 22. und 23. September zweimal negativ auf das Ebola Genom getestet. Chapeau!

An den Grenzen des zynischen Reiches

Am 8. September erklärt Präsident Obama, dass die USA mit einem 25 Betten großem Feldlazarett für die ausländischen Kräfte vor Ort helfen wird.

Am 12. September schickt die WHO die Hiobsbotschaft aus: Die Menschen stecken sich schneller an, als sie sterben. Es gibt nicht genügend Betten, man benötigt mehr medizinisches Personal um die Lage zu verwalten. Ärzte ohne Grenzen war am 23. Juni so weit.

Vier Tage später versprechen die USA gesamt 3000 Pioniere und medizinisches Personal nach Westafrika zu schicken um Kliniken zu bauen und dem Personal vor Ort, das inzwischen mehrere Monate Erfahrung damit hat, zu erklären wie sie mit der Lage umgehen müssen, damit die Pandemie zum Stehen kommt. Nach und nach sagt sich auch andere internationale Hilfe an. Frankreich will ein Militärlazarett in das Epizentrum der Pandemie schicken und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beginnt auch über die Thematik zu diskutieren.

Nach dem Feuer ist vor dem Feuer

Im New England Journal of Medicine (NEJM) [4] haben Ärzte vor Ort einen schockierenden Kommentar veröffentlicht, der etwas Licht auf die grundlegenden Probleme wirft.  Sie sprechen von „therapeutischen Nihilismus“, der Angst der Ärzte, dass es keine dezidierte Behandlung gegen Ebola gibt, aber das gleichzeitig die Grundlagen jeder Behandlung, die unterstützende Therapie mit Flüssigkeit oder  die Erhebung einfacher Blutparameter wie Elektrolyte, zu spät und zu spärlich eingesetzt werden, oder nicht verfügbar sind.

Sie sprechen auch von der Angst der Bevölkerung, die kein Vertrauen in ein System hat, das sie nicht verstehen und das scheinbar wenig tun kann um ihnen zu helfen. Die Zahlen zu Behandlungserfolgen zeichnen ein verheerendes Bild und so wird dem Versuch zur Aufklärungsarbeit mit Misstrauen begegnet.  Aber gerade diese Präventionsarbeit ist essenziel um weitere Ansteckungen zu verhindern und Vertrauen in das System zu schaffen, damit die bereits Erkrankten die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Auch das NEJM [5] fasst die Epidemie nocheinmal in Zahlen zusammen und versucht etwas in die Zukunft zu sehen, indem es die die aktuelle Verbreitung des Virus modelliert und seine Dynamik  analysiert. Während die WHO noch von Zehn- bis Sechzehntausend Erkrankten bis Ende des Jahres ausgeht, gehen die Autoren des NEJM von mehr als Zwanzigtausend Erkrankten bis 2. November 2014 aus, bei einer Letalitätsrate von 70,8% (95% Konfidenzintervall, 69 bis 73) (vgl. Letalitätsrate der Beulenpest unbehandelt im Mittelalter lag bei ca. 60%).

Der verhängnisvolle richtige Weg

Währenddessen wurden am 18. September acht Leichen von internationalen Helfern gefunden, die versucht haben in den betroffenen Regionen über die Krankheit aufzuklären. Es bleibt nur zu fragen: Was wäre wenn wir wirklich helfen?

Infos: 

[1] http://healthmap.org/ebola/#

[2] http://in.reuters.com/article/2014/09/19/health-ebola-idINKBN0HE04520140919

[3] http://www.webmd.com/news/20140812/who-experts-give-nod-to-using-untested-ebola-drugs

[4] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp1411310?query=featured_ebola

[5] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1411100?query=featured_ebola