Soheyl Liwani; Mag. MA am 25. Juli 2014

Ihre Vorstellungen das Gesundheitswesen organisiert werden soll hat die Ärztekammer Mittwoch  im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Ziel dieses Konzeptes sei es die Mängel zu beheben – so die Kammer in ihrer Aussendung. Das Konzept “Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025″ soll die bestehenden Problemfelder wie überlaufene Ambulanzen, enorme Arbeitsbelastung, Turnus, Feminisierung der Medizin oder mangelnde Work-Life-Balance nicht nur in Angriff nehmen, sondern beheben. Interessant ist zu bemerken, dass aus Sicht Mayers mehr Frauen in den Medizinischen Berufen zu den Problemfeldern zählen. Richtig ist, dass viele ÄrztInnen ins Ausland abgewandert sind und es dadurch zu einem Mangel an TurnusärztInnen kommt. Auch wenn es die EntscheidungsträgerInnen im Gesundheitswesen nicht einsehen wollen – der Mangel an ÄrztInnen ist evident und hat nicht die Ursache in der schlechten Verteilung.

Hier fordere ich zum wiederholten Male ein bundesweit einheitliches Krankenanstaltengesetz – und ein Ende der Verschlechterungen der Bedingungen für JungmedizinerInnen. Am ÄrztInnenmangel trägt auch die Ärztekammer  und die Medizinishe Universitäten Mitschuld, die jahrelang Menschen vom Studium der Medizin abgehalten haben und ausgebildete JungmedizinerInnen ins Ausland vermittelt haben.

Lösungsansätze

Zentral ist eine Neuregelung des Zugangs zum Spital, die einerseits die Ambulanzen entlasten und andererseits die Patientenströme besser koordinieren soll. Demnach sollen Patientinnen und Patienten nur noch mit Zuweisung ins Spital kommen. “Wir stellen uns das so vor: Zuweisungen werden nur noch von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen – Allgemeinmedizin wie Fachärzteschaft – vorgenommen erläutert Mayer in der Aussendung.

Wo hier die revolutionäre Idee sein soll, kann ich nicht sehen, es soll nur verhindert werden, dass PatientInnen sich selbst ins Spital zu überweisen. Die Kammer sollte sich die Frage stellen, warum sich die Menschen ins Krankenhaus selbst überweisen. Weil die niedergelassenen ÄrztInnen nicht mehr als 20 Wochenstunden Ordinationszeit haben – hier ist eine Einigung auf Erweiterung schon erzielt worden. Ansonsten stellt das Konzept keine Änderung des gültigen Konzepts dar.

Zusätzlich soll das ärztliche Personal in Pflegeheimen zuweisen können, ebenso die ärztlichen Gruppenpraxen bzw. Ordinationszentren”, erläuterte Mayer. Über die Rettung sei außerdem eine Notfalleinweisung möglich. Der derzeit gängigen Selbstzuweisung durch die Patientinnen und Patienten werde mit diesem System ein Riegel vorgeschoben. Mayer: “Die Maßnahme entlastet die Ambulanzen und sorgt für mehr Struktur.”

In Wien muss werden die Menschen von den ÄrztInnen erst beim Fonds Soziales Wien angemeldet und dieser teilt dann die Menschen in die Pflegeheime ein. Will die Ärztekammer in Wien nun den FSW ausschalten und die Menschen direkt überweisen? Es setzt auch voraus, dass alle Pflegeeinrichtungen medizinische Abteilungen haben – tun sie nicht!

Im Großen und Ganzen stellt das vorgestellte Konzept – trotz der Schwächen – eine gute Diskussionsgrundlage dar – endlich kommt von der Ärztekammer nicht nur ein destruktiver Beitrag.

OTS – Meldungen

Ärztekammer Teil I und Teil II 

Medienberichte

Ärztekammer: In Ambulanz nur in Notfällen oder mit Zuweisung

Soheyl Liwani; Mag. MA am 24. Juli 2014

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA und dem Kurier überlegt die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) die Zusammenlegung ihrer Gesundheitseinrichtung zu einem Schwerpunktkrankenhaus.  Ein Sprecher der AUVA bestätigte den Bericht des Kuriers, dass es diese Überlegungen gebe. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass eine derartige Verschmelzung wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sei, so der nicht namentlich erwähnte Sprecher der AUVA.

Angedacht sei die Schaffung eines großen Unfallzentrums, hieß es. Dieses wäre ein Unfallkrankenhaus mit angeschlossener Rehabilitationseinrichtung. Derzeit gibt es mit dem Lorenz-Böhler-Spital in Wien-Brigittenau, dem UKH in Wien-Meidling, dem ebenfalls in Meidling untergebrachten Reha-Zentrum sowie der Reha-Anstalt Weißer Hof in Klosterneuburg insgesamt vier Standorte.

Laut AUVA folgt nun die Detailplanung – auf deren Basis entschieden werden soll, ob das Großspital tatsächlich kommt. Das Ergebnis der Untersuchung soll im Frühjahr kommenden Jahres vorliegen. Möglich wäre, dass auch der Standort eines neuen Zentrums darin bereits vorgeschlagen wird, hieß es vonseiten der AUVA, wie man in der Meldung der Nachrichtenagentur APA lesen kann.

Es gab schon unterschiedliche Überlegungen die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt zu zerteilen und die Kompetenzen den einzelnen Sozialversicherungsträgern zu übertragen. Die Einrichtungen der AUVA sind anerkannt und fachlich auf hohem Niveau. Die Zusammenlegung der Unfallspitäler Lorenz – Böhler und UKH Meidlung macht durchaus Sinn. Ein Blick auf Wien zeigt, dass neben den Unfallspitälern der AUVA auch die Schwerpunktkliniken des Krankenanstaltenverbundes der Stadt Wien auch Unfallabteilungen verfügen. Die Unfallkrankenanstalten und Rehabeinrichtungen der AUVA stellen auch in der Ausbildung von JungmedizinerInnen eine wichtige Einrichtung dar.

Nun heißt es abwarten was die Machtbarkeitsstudie bringt und welche Erkenntnisse veröffentlicht werden. Eine Frage die sich mir stellt ist, wer die Studie durchführt. Eine Zusammenlegung kann auch jahrelang dauern oder nie passieren – siehe die geplante Zusammenlegung von SVA und SVB.

Soheyl Liwani; Mag. MA am 22. Juli 2014

Im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungen befragte das Meinungsforschungsinstitut GFK Austria die ÖsterreicherInnen zu ihren Erwartungen zur Gesundheitsreform. Im Zeitraum vom 12.03 – 03.04.2013 und 22.04 – 20.05.2014 wurden 4.000 Menschen in Österreich zu ihren Erwartungen befragt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger Dr. Schelling und Dr. Bretschneider die Ergebnisse vor. In der Presseerklärung von GFK und Hauptverband kann man dazu lesen:“ Insgesamt 88 Prozent der Befragten – Mehrfachnennungen waren möglich – äußerten sehr präzise ihre Erwartungen zu den Ergebnissen der Gesundheitsreform: Klar an der Spitze rangiert dabei der Wunsch nach dem Schließen der „Wissenslücken“ zwischen den Spitälern und den niedergelassenen Medizinern. 42 Prozent der Bevölkerung wollen es offensichtlich nicht länger hinnehmen, dass die Kommunikation zwischen und sogar innerhalb der verschiedenen Einrichtungen des heimischen Gesundheitssystems mit allen negativen Konsequenzen schlecht bis gar nicht funktioniert oder nur dann möglich ist, wenn Patientinnen und Patienten die „Botenfunktionen“ ihrer eigenen Befunde übernehmen.“

Die Schnittstelle zwischen extramuralem und intramuralem Bereich ist schon lange ein Thema für die Experten der Gesundheitspolitik. Die damalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hatte eine Zwischeneinrichtung vorgeschlagen, diese die Ambulanzen entlasten sollten. Auf Grund des Widerstandes der Ärztekammer nicht verwirklicht worden. Nun der Widerstand gegen die Gesundheitsreform und ELGA – verglichen mit der Ärztekammer ist die Lehrergewerkschaft ein Jungbrunnen der Reformfreudigkeit.

Wissenslücken der Bevölkerung zu ELGA  – Die Ärztekammer informiert ihre PatientInnen über die „Schwachstellen“ von ELGA und empfiehlt den Ausstieg. Dr. Schelling kritisiert dieses Verhalten mit scharfen Worten – dies stelle keine ausgewogene Informierung der PatientInnen dar und ist nicht zu befürworten. In den Ordinationen der Hausärzte finden sich Formulare die einen Ausstieg aus ELGA bewirken.

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