Montagmorgen – ich sitze beim Frühstück als ich Nachricht hörte, dass eine schwangere Frau in der 13. Schwangerschaftswoche mit Blutungen von zwei Spitälern abgewiesen worden ist. Mein erster Gedanke galt der werdenden Mutter, dem Vater und den Angehörigen, welch grauenhafte Odyssee bis sie von der Rudolfstiftung stationär aufgenommen wurden In der Zwischenzeit ist das Fötus verstorben und die Eltern klagen die Spitäler an und wandten sich an die PatientInnenanwaltschaft Wiens.

Dürfen Menschen von Krankenanstalten abgewiesen werden? Bevor wir auf die rechtliche Lage eingehen, möchte ich ein paar allgemeine Gedanken äußern. Von Ärztinnen und Ärzten hört man immer die Beschwerde, dass die Menschen mit Erkrankungen, Verletzungen oder Schmerzen in die Notaufnahme kommen, trotzdem diese keine Notfälle sind. Die Schwarz/Blau(Orange) Regierung versuchte mit den Ambulanzgebühren dieses Problem in den Griff zu bekommen. Allerdings war die Regelung so unintelligent, dass der Verfassungsgerichtshof diese Regelung aufgehoben hat. Wenn man mit den Menschen redet, hört man immer, dass diese sich medizinisch an den Wochenenden nicht ausreichend betreut fühlen und daher in ein Spital in die Ambulanz gehen.

Wann darf man in die Ambulanz gehen? Wer muss zum niedergelassenen Mediziner(-in) gehen und sich dort behandeln lassen? Diese und andere Fragen zu Krankenanstalten beantwortet in Wien das Landeskrankenanstaltengesetz, auf das ich noch eingehen möchte. Im gegenständigen Fall wurde die Frau erst nach Untersuchung vom Göttlichen Heiland abgewiesen – dann vom Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Am Ende der Odyssee wurde sie von der Rudolfstiftung stationär aufgenommen – aber konnte dem Kind nicht zeitgerecht geholfen werden und verstarb im Mutterleib.

Doch gehen wir zurück zum Thema der Abweisung aus rechtlicher Sicht und zum Landeskrankenanstaltengesetz. Der Paragraph 36 des Landeskrankenanstaltengesetzes regelt die Aufnahme von in Krankenanstaltengesetz der Stadt (Land) Wien. Bezug nehmend auf Punkt 8 des Krankenanstaltengesetzes sind Personen, die unbedingt ärztliche Hilfe benötigen nicht ab zu weisen. Das Krankenhaus des Göttlichen Heilands hat die Patientin zwar untersucht aber danach abgewiesen. Das allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) hat die Frau, den Medienberichten zu Folge, nicht einmal untersucht.
Das AKH Wien und die Ärztin verstoßen eindeutig gegen den Paragraph 36 aus meiner Sicht, auch der Generaldirektor des KAV´s Marhold (Gynäkologe) teilt meine rechtliche Ansicht. Beim Krankenhaus des Göttlichen Heilands handelt sich um ein Ordensspital und das AKH Wien ist ja aus den Schlagzeilen der letzten Wochen bekannt. Seitens des AKH`s hat der Ärztliche Direktor Stellung bezogen und der diensthabenden Ärztin die Verantwortung zu geschoben. Die Besonderheit des AKH ist, dass nicht Prof Krepler als Ärztlicher Direktor Arbeitgeber der Ärztin ist, sondern die Medizinische Universität.  Rektor Schütz schweigt wie in heiklen Fällen, wie er immer zu tun scheint.

In einer Stellungnahme rechtfertigt die Krankenanstalt Göttlicher Heiland die Entscheidung der Ärzte, die Frau sei nach eingehender Untersuchung nicht stationär aufgenommen zu haben, zu weil  es nicht für notwendig erachtet wurde. AKH Wien und Göttliches Heiland bedauern die Fehleinschätzung des Gesundheitszustandes der Frau Sandra W. und den Verlust des Kindes.

Wie es im Volksmund so schön heißt, es muss was passieren, dass was passiert. Jetzt wird der ÄrztInnenmangel in Wien und in Österreich ersichtlich. Die Antwort der Bildungspolitik der ÖVP und des angeblich parteifreien Ministers Töchterle – Aufnahmebeschränkungen, Studiengebühren und viele andere Hindernisse. Studium und Bildung ist kein Gut für elitäres Denken, elitäre Bevölkerungsgruppen – wir brauchen mehr ÄrztInnen und keinen Stellenabbau – beim Gesundheitswesen sparen ist sparen an der Gesundheit der Menschen.

Medienberichte:

ORF - Frau abgewiesen: Streit geht weiter

Zeitungen:

DerStandard.at

Proteste vor Wiener Ordens- und Privatspitälern

DiePresse.com

Schwangere abgewiesen: Patientenanwalt prüft Spitäler

Schwangere abgewiesen: AKH gesteht Fehler ein

Strafe für Spitäler: Maximal 2100 Euro

Krone:

Wiener Behörde prüft Strafantrag gegen Spitäler

 Kurier:

Frau, die ihr Baby verlor, war schon Risiko-Patientin im AKH
Abgewiesene Schwangere: Gutachten soll AKH entlasten

 

OTS:

Krankenhaus Göttlicher Heiland: Patientin Sandra W. wurde bei uns behandelt

Stellungnahme zur Patientin Sandra W.

 Ärztekammer zu Spitalsabweisung: Zeichen für zunehmende Engpässe

MedUni Wien: Kein ärztliches Fehlverhalten bei Sandra W.

 Wien Heute: Doch kein Fehler – Studiogast: Prof. Husslein