In Österreich wurde Hepatitis C im Jahr 1993 meldepflichtig. Im Zeitraum 1993 bis 2000 wurden insgesamt nur 2.232 Erkrankungen und 31 Todesfälle gemeldet, während in der Krankenhausentlassungsstatistik in Bezug auf die Prävalenz dieser Erkrankung etwa acht Mal so viele stationäre Fälle (n = 18.607) bzw. etwa sieben Mal so viele stationäre Patienten (exkl.Mehrfachaufnahmen, n = 14.378) verzeichnet wurden. In Tirol kam es laut Meldedaten zu einer dramatischen Zunahme der Inzidenz seit 1998 (1997: 1,3/100.000, 2000: 26,4/100.000),welche im Gegensatz zu den Hospitalisierungsraten steht. Die Meldedaten spiegeln somit nicht die tatsächlichen Verhältnisse wider, sondern sind sowohl durch generelles „underreporting“ als auch durch verstärkte Meldetätigkeit in einzelnen Bundesländern wie Tirol verzerrt. Obwohl Österreich mit einer Prävalenz vom 0,7 % in der Bevölkerung als „low-endemic area“ für Hepatitis C klassifiziert ist [2], sind die zu erwartenden medizinischen Behandlungskosten der derzeit ca. 60.000 infizierte Personen enorm.
Defizite bei systematischer Bewusstseinsbildung, Prävention, Erkennung und Behandlung – Nationaler Hepatitis-Plan nötig, um Maßnahmen besser zu koordinieren – Veröffentlichung am 6. November in Brüssel
Hepatitis bezeichnet eine Entzündung der Leber, häufig ausgelöst durch eine Virusinfektion. In Österreich leiden etwa 200.000 Menschen an einer chronischen Virushepatitis vom Typ B oder C und anderen, mit zahlreichen Neuinfektionen pro Jahr. Die Zahl der Infizierten in Europa beträgt lt. WHO etwa 23 Millionen, die Zahl der Todesfälle, durch Hepatitis und dadurch verursachte Krankheiten, beläuft sich auf bis zu 125.000 – Tendenz steigend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl derer, die mit dem Hepatitis B Virus Kontakt hatten weltweit auf etwa zwei Milliarden Menschen, bei etwa 350 Millionen verläuft die Krankheit chronisch. Etwa 170 Millionen Menschen sind chronisch an einer Hepatitis C erkrankt.
Übertragung:
- Hepatitis B über Körperflüssigkeiten – am höchsten konzentriert in Sperma und Scheidenflüssigkeit - und Blut-zu-Blut-Kontakt (=100 x infektiöser wie HIV),
- Hepatitis C NUR über Blut-zu-Blut-Kontakt (=100 x weniger infektiös wie HIV).
Unbehandelt können beide Virusinfektionen zu Zirrhose und Leberkrebs führen und sind damit Auslöser für weitere ernste Erkrankungen. Der Euro Hepatitis Care Index wurde vom schwedischen Thinktank Health Consumer Powerhouse (HCP) angefertigt, im Auftrag und finanziert von der Europäischen Leberpatienten-Vereinigung ELPA, der auch die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) angehört.
Dem Index zufolge gibt es in Österreich Defizite in den Bereichen
- Bewusstseinsbildung,
- Prävention,
- Früherkennung ,
- Behandlung von Hepatitis im Frühstadium.
Frankreich hat als einziges Land in Europa – neben einer regionalen Initiative in Schottland – einen nationalen Hepatitis-Plan, der alle Aspekte der Vorsorge, Behandlung und Kontrolle, umfasst. Diese zentrale Koordinierung hilft dabei, das volle Potential von sonst isolierten Maßnahmen durch Ärzte, Patientenorganisationen und anderen Beteiligten in Frankreich zu heben.
Prophylaxe in Österreich:
Kinder: werden regelmäßig geimpft (Hepatitis B) – Impfquote aber unter 90%. Ein zu geringer Teil innerhalb der Risikogruppen – wie zB. das Gesundheitspersonal, Drogenbenutzer und Menschen, die mit Hepatitispatienten zusammenleben werden ebenfalls von routinemäßigen Impfungen erfasst. Frau Prof. Dr. Petra Munda – Univ. Klinik für Innere Medizin III Wien, Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie, kommentiert: “Da die Hepatitisdiagnostik in Österreich kein Bestandteil der Routinediagnostik, bzw. der Gesundenuntersuchung ist, haben wir das Problem einer geringen Detektionsrate. Zu häufig werden erhöhte Leberwerte auf Alkohol oder Überernährung zurückgeführt und keine weitere Diagnostik gemacht.
Maßnahmen in der Prophylaxe in Österreich:
Kinder werden routinemäßig gegen Hepatitis B geimpft, dennoch bleibt die Impfquote in dieser Gruppe unter 90 Prozent und nur ein zu geringer Teil der bekannten Risikogruppen, wie Gesundheitspersonal, Drogenbenutzer und Menschen, die mit Hepatitispatienten zusammenleben werden ebenfalls von routinemäßigen Impfungen erfasst. Impfstoffe sind bis zum 15. Lebensjahr kostenfrei, später nicht kostenfrei erhältlich (außer bei im selben Haushalt mit Hepatitis B Patienten lebenden Personen).
Jedem Neugeborenen wird eine Hepatitis-B-Impfung kostenlos empfohlen, sie ist Bestandteil des österreichischen Impfplans. Gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung. Kosten für Behandlungen von Hepatitis B und C werden vom Gesundheitssystem getragen. Die Wartezeit für einen Termin bei einem Facharzt beträgt im Schnitt nicht mehr als vier Wochen.







