Anlässlich einer Pressekonferenz stellten der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und die ELGA GmbH die Studie zur Evaluierung des Pilotprojektes E-Medikation vor. Die Studie wurde vom Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme in Kooperation mit der Universität für Medizinische Informatik (UMIT) durchgeführt.
Bei der Evaluierung das Pilotprojekts E-Medikation und nicht um das Gesamtprojekt ELGA abgefragt – es wurde somit ein Teilprojekt unter die Lupe genommen. Die Studie wurde als unabhängige, wissenschaftliche Evaluierung mit offenem Ergebnisausgang angelegt. Ingesamt haben an der Studie 85 ÄrztInnen ( 41 AllgemeinmedizinerInnen, 31 FachärztInnen, 50 Apotheken, 13 AllgemeinmedizinerInnen mit Hausapotheke ), 50 ApothekerInnen ,4 Krankenanstalten und 5.431 PatientInnen teilgenommen. Für den Hauptverband ergibt sich aus der Studie der klare Handlungsauftrag zur bundesweiten Umsetzung, so der Vertreter des Hauptverbandes DI Volker Schörghofer bei der Pressekonferenz. Seitens der Studienautoren wurde die Empfehlung abgegeben, auch weiterhin die Wahlfreiheit für die PatientInnen und aber die verpflichtende Teilnahme betroffenen Gesundheitseinrichtungen und Berufsgruppen aufrecht zu erhalten.
Im Interesse der Patientensicherheit wird sich die Sozialversicherung – als Anwalt der Versicherten – weiterhin dafür einsetzen, dass die Politik die rechtlichen Grundlagen für e- Medikation schafft und die Empfehlungen des Evaluierungsberichtes in die österreichweite Umsetzung einfließen. Bei entsprechenden Rahmenbedingungen kann die flächendeckende Umsetzung der e-Medikation im Rahmen von ELGA rasch erfolgen und die schon sehr gute Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich noch weiter verbessert werden. Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei allen PatientInnen, ÄrztInnen, ApothekerInnen und Krankenanstalten sowie dem gesamten Team des Pilotprojektes für ihr Interesse und Engagement”, ergänzte Dr. Susanne Herbek, Geschäftsführerin der ELGA GmbH., die Ausführungen von DI Schörghofer.
Die PatientInnen wurden im Pilotprojekt gefragt, ob sie am Pilotprojekt teilnehmen wollen und dies wurde bei jeder Konsultation erneut abgefragt. Viel sinnvoller wäre es, wenn der Patient oder die Patientin einmal seine/ihre Zustimmung gibt und die Medikamentenliste immer am aktuellsten Stand sind.
Die Freiwilligkeit, die von Seiten der Ärztekammer für die ÄrztInnen gewünscht wird, sehen die StudienautorInnen nicht für anstrebenswert. Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Pilotprojekts konnten wertvolle Ansatzpunkte zur Erhöhung der PatientInnensicherheit, aber auch zur Minimierung des zeitlichen Aufwandes für ÄrztInnen und ApothekerInnen gewonnen werden. Aus meiner Sicht – die ÄrztInnen werden auch nicht gefragt, ob sie ihre Altersvorsorge in Hände der Ärztekammer legen wollen oder nicht – Stichwort: Wohlfahrsfonds oder auch werden sie nicht mehr gefragt ob sie Mitglied der Ärztekammer sein wollen.
Studienleiter Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Dorda:“ BenutzerInnenfreundlich ist sehr wichtig“
“Der Pilot war wertvoll: er hat gezeigt, wie wichtig Funktionalität und Bedienerfreundlichkeit der Anwender-Software sind – auch wenn hier noch Verbesserungsbedarf besteht”, so Univ.-Prof. DI DDr. Wolfgang Dorda, der Leiter des Evaluierungsteams. Dorda weiter: “85% der teilnehmenden PatientInnenfühlten sich bei ÄrztInnen bzw. ApothekerInnen, die am Pilotprojekte-Medikation teilnahmen, sicherer. Auch die überwiegende Mehrheit der im Rahmen der Evaluierung befragten ÄrztInnen und ApothekerInnen erachten eine vollständige und aktuelle Medikationsliste als positiv für die PatientInnensicherheit.” so der Wissenschafter in seinem Statement.
OEKONSULT Umfrage: 80% der Generation 60plus fordert sofortige Umsetzung der e-Medikation
Das Meinungsforschungsinstitut Oekonsult hat bei SeniorInnen nachgefragt und die Ergebnisse in einer Presseaussendung präsentiert.
Die Ergebnisse der Umfrage lauten:
• 72% meinen, durch Lesen des Beipackzettels oder Internetrecherche auf persönliche Beratung nicht verzichten zu wollen.
• 75% erachten es als wichtig, bei jeder Medikamentenabgabe eine Prüfung auf etwaige Medikamenten-Wechselwirkung sicherzustellen.
• 84% sehen die e-Medikation als “durchaus positiv und wünschenswert”
• 80% fordern die umgehende Einführung der e-Medikation in Österreich
• 75% widersprechen der Darstellung, die Bürger wären ausreichend in die politische Diskussion zur Gesundheitsreform eingebunden.
• 91% betonen die Wichtigkeit des Hausarztes ihres Vertrauens.
• etwa 80% können nicht (vollständig) aufzählen, welche Medikamente sie im vergangenen halben Jahr eingenommen haben.
• 74% reklamieren, sie würden von verschreibenden Ärzten nicht ausreichend über allfällige Wechselwirkung dieser Medikamente informiert:
• 72% bedauern ausdrücklich, dass die Gesetzwerdung der e- Medikation ins Stocken geraten ist.
ApothekerInnenkammer
Die Evaluierung zeigt, dass die E-Medikation unbestritten die PatientInnensicherheit erhöht und ein wertvoller Beitrag zur Verhinderung von Wechselwirkung von Medikamenten und zur Reduktion der so genannten Polypragmasie führt. Dieser Meinung schließt sich die Apothekerkammer an, die ihrerseits in einer Pressekonferenz auf die Wechselwirkungen von aufmerksam macht.
Der Präsident ApothekerInnenkammer Burggasser “Ich stehe für mehr Medikamentensicherheit. Ich stehe für Beratungsqualität in der Apotheke. Jede Apotheke kann den Kunden über die richtige und korrekte Einnahme seiner Medikamente beraten. Um dem Problem der Wechselwirkungen allerdings flächendeckend Herr zu werden fordere ich die sofortige Umsetzung der e-Medikation für die Sicherheit aller unserer Patienten”.
PatientInnenanwalt Bachinger
Unterstützt wird die Ansicht des Hauptverbandes, der ELGA GmbH und der ApothekerInnenkammer auch von Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreich, dieser zeigt sich erfreut über den Vorstoß der Apothekerschaft zu mehr Medikamentensicherheit. “Die Forderung nach mehr Medikamentensicherheit ist wichtig und richtig und kommt zum perfekten Zeitpunkt.” Patientensicherheit und Qualität sind die obersten Anliegen von Bachinger. “Punkto Medikamentensicherheit ist Feuer am Dach und es ist absolut unverständlich, dass bei der Umsetzung der e-Medikation soviel Zeit verloren geht. Zeit, in der die Gesundheit und das Leben der Patienten täglich gefährdet sind. Ich finde es großartig, dass sich die Apotheker bereit erklären, die e-Medikation im Ernstfall auch alleine umzusetzen. Aus einem sehr erfolgreichen Projekt der französischen Apotheker wissen wir, dass auch ein Alleingang der Apotheker für die Patienten sinnvoll ist“, so Bachinger.
Fazit:
E Medikation ist ein wichtiges und richtiges Tool um die PatientInnensicherheit zu steigern und ist auch innerhalb der Ärzteschaft unumstritten. Medikamentensicherheit muss unbedingt gewährleistet werden und alles getan werden, dass dieses Ziel erreicht wird.













