Sommerzeit, Reisezeit. Doch für schätzungsweise 1 Million Menschen in Österreich1, die an einer überaktiven Blase und Inkontinenz leiden, ist ein Urlaub fernab vom heimischen Badezimmer unvorstellbar. Das muss nicht so sein, denn eine überaktive Blase und Inkontinenz lassen sich wirksam behandeln! Aber wie? Diese Frage wurde im Rahmen eines Pressegesprächs mit Univ.-Prof. Dr. Dr. Heinz Kölbl, Leiter Klinische Abteilung für allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie an der Frauenklinik der MedUni Wien, beantwortet.
Etwa 50 % brechen Standardbehandlung ab Unter Mitwirkung eines Forscherteams an der MedUni Wien und des AKH Wien wurden in mehreren weltweiten Phase III Studien gezeigt, dass der Wirkstoff Mirabegron als effizientes Medikament für die Behandlung der überaktiven Blase bei Erwachsenen eingesetzt werden kann.2,3,4 Damit steht Mirabegron für den ersten alternativen Therapieansatz seit mehr als 30 Jahren. Derzeit bricht zirka die Hälfte der Patienten eine Behandlung, meist aufgrund mangelnder Effizienz oder auftretender Nebenwirkungen, nach nur drei Monaten ab.5,6 Studien haben zudem gezeigt, dass bei Behandlung mit Mirabegron Nebenwirkungen nur auf Placeboniveau auftreten.2,3 Umso bedeutender ist daher die nun mit Mirabegron zur Verfügung stehende alternative Therapieoption, die auf einem andersartigen Wirkmechanismus beruht.
“Der Vorteil gegenüber den bisherigen Medikamenten gegen die überaktive Blase, den so genannten Antimuskarinika, ist, dass der Beta3-Agonist Mirabegron ein günstigeres Nebenwirkungsprofil zeigt”, erklärt Prof. Kölbl, der seit 15 Jahren in die Entwicklung dieser Therapie mit eingebunden ist. Großer Nachteil bei den derzeit gängigen Antimuskarinika ist eine einhergehende, starke Mundtrockenheit. Eine überaktive Blase äußert sich ähnlich wie eine Blasenentzündung, jedoch ohne zugrunde liegende Infektion:

Es besteht der ständige Drang, zu urinieren. Kölbl: “Daraus entstehen in vielen Fällen schwere soziale und persönliche Probleme. Das kann bis zur sozialen Isolation der Betroffenen führen.”

Erstattung – Abgelehnt! “Lippenbekenntnissen zu mehr Innovation und den Fakten zum Trotz hat der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) betreffend Mirabegron und seine Aufnahme in den Erstattungskodex (EKO) eindeutig eine Entscheidung mit insgesamt negativen Konsequenzen getroffen: Die Ablehnung der Erstattung durch die Krankenkassen geht zu Lasten jener Patienten, die in Mirabegron eine Alternative gefunden haben. Dies bedeutet die Diskriminierung der Patienten, die die Standardtherapie nicht bekommen können. Vertan wird möglicherweise – falls es bei der Entscheidung des Hauptverbandes bleibt – auch eine Chance ein mögliches Potential zur Dämpfung des Anstiegs der Pflegekosten zu erschließen”, zeigt sich Univ.-Prof. Dr. Dr. Heinz Kölbl über die mögliche Nichterstattung besorgt.
Blasenproblem = Wirtschaftsproblem Die Inkontinenz stellt ein Problem unserer Zeit dar – nicht nur für den Betroffenen persönlich, sondern für die gesamte Gesellschaft bzw. die Wirtschaft. Denn der Verlust der Kontinenz ist sehr oft der Zeitpunkt wo Pflegebetreuung erbracht werden muss. Für pflegende Angehörige stellt die Übernahme der Pflegebedürftigkeit eine besonders starke psychische und wirtschaftliche Belastung dar.9 Ob innerfamiliär, durch professionelle Heimbetreuung oder durch die Pflege in professionellen Einrichtungen, die Kosten für die Betroffenen bzw. Angehörigen sind enorm. Mit der demographischen Entwicklung, der daraus resultierenden Steigerung des Personalbedarfs und dem Ausbau der Angebote geht natürlich auch eine Steigerung der Kosten einher. Eine Kostenprognose zur Entwicklung des Nettoaufwandes für Pflegeleistungen ergab, dass es vom Jahr 2015 bis zum Jahr 2025 zu einem Anstieg von 1,8 Mrd. Euro auf 2,4 Mrd. Euro kommt.10

Großer Einfluss auf die Lebensqualität Weltweit leiden mehr als 400 Millionen Menschen an einer überaktiven Blase.11 In den sechs größten europäischen Ländern sind zirka 17% der Männer und Frauen von diesem Problem betroffen, und bei den über 75-Jährigen steigt der Anteil sogar auf 30-40%.7 Bei einer Umfrage unter Reizblasenpatienten gaben 65% der Männer und 67% der Frauen an, dass ihr Leiden einen negativen Einfluss auf ihr tägliches Leben ausübt.7 Die Symptome können Auswirkungen auf das Familienleben, das gesellschaftliche Leben und das Arbeitsleben haben, ebenso wie auf das allgemeine Wohlbefinden.8 Zudem treten unter den Patienten häufiger Depressionen auf. Insgesamt ist eine geringere Lebensqualität festzustellen.12

Wie wirkt Mirabegron? Mirabegron hat eine völlig unterschiedliche Wirkungsweise als Antimuskarinika. Mirabegron ist ein selektiver Beta-3-Adrenozeptoragonist. Mirabegron bewirkt eine Entspannung der Harnblasenmuskulatur und zeigt eine harnblasenentspannende Wirkung. Das verbessert die Speicherkapazität der Blase, ohne die Blasenentleerung zu verhindern und verlängert die Zeit zwischen den Toilettengängen des Patienten.

Viele Menschen leiden unter Blasenschwäche – diese Menschen trauen sich nicht vor die Tür, da sie befürchten, dass sie auf der Straße – beim Einkaufen den Harndrang nicht kontrollieren können und sich dem Spott und der Verachtung der Menschen aussetzen müssen.

Im Auftrag der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) und in Zusammenarbeit mit Astellas Pharma startet heute die erste österreichweite Befragung zur Lebenssituation von Menschen mit Blasenschwäche. Mit der Auswertung der Ergebnisse wurde das GALLUP Institut beauftragt.   “Wir betreiben in Österreich seit fast 15 Jahren Aufklärungsarbeit und haben in dieser Zeit nachhaltig zur Enttabuisierung der Volkskrankheit Harninkontinen

Der Fragebogen wurde gemeinsam mit Medizinern und einer langjährigen Kontinenzberaterin erarbeitet. Die Ergebnisse werden anonymisiert ausgewertet und danach veröffentlicht. Die Erkenntnisse aus der Studie helfen nicht nur dabei, die Lebenssituation von Betroffenen weiter zu verbessern, sondern auch die künftige Arbeit an den konkreten Ergebnissen der Studie zu orientieren. z beigetragen. Obwohl mindestens 1 Million Menschen allein in Österreich von Inkontinenz betroffen sind, ist dieses Leiden immer noch ein Tabuthema”, sagt Univ-Prof. Dr. Max Wunderlich FRCS, Präsident der MKÖ. “Mit dieser Studie, die die erste Studie ihrer Art in Österreich ist, wollen wir die Lebenssituation von betroffenen ÖsterreicherInnen detailliert erfragen. Ziel ist es, wichtige Informationen über noch bestehende Barrieren in verschiedenen Lebensbereichen wie zum Beispiel in der Arbeit, im Familienleben oder auch im sozialen Umfeld zu erhalten”, so Wunderlich.

 

Das Ausfüllen des Fragebogens ist online möglich und dauert maximal 10 bis 15 Minuten.  Link zum Fragebogen: http://bit.ly/1OPovt6

Weitere Informationen zum Thema „Blasengesundheit“ und zur Studie finden Sie unter
www.blasengesundheit.at oder unter
www.kontinenzgesellschaft.at

Soheyl Liwani; Mag. MA am 15. April 2015

Was ist los in unserem Sozial- und Gesundheitssystem?

Datum: 24.04.2015

Zeit: 9-17 Uhr

Veranstalter: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, Gedifo, Ärztekammer für Wien

Ort: Bildungszentrum der AK Wien, Großer Saal

Adresse: Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Teilnahmegebühr: freier Eintritt

 Mit ca 360.000 unselbstständig Beschäftigten ist das Gesundheits- und Sozialwesen die drittgrößte Branche in Österreich – mit den dynamischsten Zuwächsen. Gleichzeitig verschlechtern sich die Rahmenbedingungen • durch die Verlagerung der Verantwortung des Fachpersonals zum Assistenzpersonal; • durch die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, weil ein gesteigerter Leistungsbedarf mit gedeckelten Budgets erbracht werden muss; • durch die Dokumentationsflut und strenge Reglementierungen der Arbeit, die sich mehr an vorgegebenen Systemen als an den Bedarfslagen der Menschen orientieren; • durch eine MitarbeiterInnenführung, die den politischen Vorgaben genügen will, nämlich Kostensenkung bei gleichbleibendem Qualitätsstandard. Diese Einsparungsmaßnahmen gehen in letzter Konsequenz zu Lasten der Beschäftigten und der PatientInnen/KlientInnen. Angesichts dieser brisanten Situation ist es an der Zeit, dass sich BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen vernetzen und gemeinsam gegensteuern.
Anmeldung:
https://wien.arbeiterkammer.at/service/veranstaltungen/Was_ist_los_in_unserem_Sozial-_und_Gesundheitssystem.html